24.09.26 –
Nürnberg - Über zwölf Jahre warteten die einstigen Straßenbahnwerkstätten in der Nürnberger Fuchsstraße auf eine neue Nutzung: 2003 verabschiedete sich die Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg von dem Standort, erst 2015 ging der Fürther Entwickler P&P mit Plänen für 78 Wohnungen in dem Industriedenkmal an die Öffentlichkeit. Doch das Unternehmen gab die Sache wieder dran und schließlich übernahm der Projektentwickler BPD (Bouwfonds Immobilienentwicklung) die Realisierung. Die Umsetzung gefiel dem Bezirk Mittelfranken schließlich so gut, dass er BPD für die denkmalpflegerischen Leistungen auszeichnete.
Nicht von Anfang an stand fest, dass aus den ehemaligen Straßenbahnwerkstätten mit Gießerei, Schreinerei, Lackiererei, Ausbildungswerkstätten, großer Hausmeisterwohnung und Uhrenturm Wohnungen werden sollten. Es gab auch andere Ideen für Umnutzungen. Ein Investor dachte 2005 an Handel, Gewerbe, Gastronomie plus Wohnungen. Ehemalige Mitarbeiter der Werkstätten wünschten sich ein Industriemuseum. Die Stadt schloss auch einen großen Supermarkt nicht aus. Nichts davon wurde realisiert.
Bausünden aus den 70er Jahren
Nikolaus Bencker, langjähriger Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde (UDB), führte Sabine Weigand, die Grüne Stadträtin Natalie Keller, die zuständige Gebietsreferentin des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Kathrin Müller, sowie den neuen Leiter der Nürnberger UDB, Marco Popp, aus Anlass der Denkmaltour über das weitläufige Gelände. Zwischen 1911 und 1914 erbaut, stehen die Werkstätten seit 1984 unter Denkmalschutz. „Die VAG musste sie verkaufen, weil die neuen Straßenbahnen dort nicht mehr repariert werden konnten, die Oberleitungen verlangten höhere Hallen für die Wartung“, erklärte Bencker.
Im 2. Weltkrieg kaum zerstört, wurde in den 1970er Jahren an den Gebäuden herumgedoktert, „beispielsweise wurden die Fenster vergrößert“. Diese Bausünden wurden beim Umbau durch BPD teilweise wieder rückgängig gemacht.
Es finden sich bis heute viele schöne Details aus der Bauzeit wie die wuchtige Eingangstür der Direktorenvilla oder der Wasserturm, in dem die teuerste Wohnungen auf dem Gelände entstanden ist. „Wo Neues angefügt wurde, ist es gut gelungen”, lautete das Urteil von Nikokaus Bencker. Als Beispiele nannte er die neuen Balkone in Metalloptik sowie die schlichten, nicht historisierten Gauben.
Sheddachhalle als Parkplatz
Die Wohnungen sind hochpreisig. Einige wurden von der Firma adidas für Mitarbeitende angekauft. Die Fluktuation im Haus sei hoch, erzählte ein Bewohner. Die loftartigen Wohnungen mit den hohen Decken, der schmalen Treppe, die auf eine zweite Ebene führt, und den vielen, hohen Fenstern seien auch nur bedingt familientauglich.
Pläne, in der eigentlichen Reparaturhalle das Sheddach zu öffnen und kleine Häuser zu integrieren, wurden nicht realisiert. Stattdessen ist die imposante Halle lediglich Stellplatz für die Autos der Bewohnerinnen und Bewohner des Geländes. „Das ist etwas schade, eine andere Nutzung für die Menschen im Viertel wäre wünschenswerter gewesen“, sagte Sabine Weigand.
Im Umfeld um die Straßenbahnwerkstätten wohnen viele Menschen, die sich so teure Wohnungen nicht leisten können. Eine größere soziale Durchmischung im umgebauten Industriedenkmal sei aber nicht möglich gewesen, sagte Bencker. Die starren Vorgaben für den sozialen Wohnungsbau funktionierten sehr oft nicht im Baudenkmal. „Da bräuchten wir mehr Flexibilität.“
„Der Umbau der Werkstätten und die Neubebauung mit Geschosswohnungen auf dem angrenzenden Grundstück ist gut gelungen, auch mit viel Liebe zum Detail bei der Gestaltung der Außenflächen“, fasste Sabine Weigand zusammen. Es zahle sich aus, wenn sich Kommune, Investor und Planenden zusammensetzen und konstruktiv miteinander sprechen. „Dass es sich hier nur um hochpreisige Wohnungen handelt, ist ein kleiner Wermutstropfen, das Thema günstiges Wohnen im Denkmal nehme ich mit auf meine Agenda.“
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