


06.07.26 –
Bamberg - Nördlich der Bamberger Altstadt entstand Ende des 19. Jahrhunderts das Werksareal der „Mechanischen Seilerwarenfabrik AG“, wo einst Garne, Kordel, Stricke und Seile bis 60 mm Durchmesser produziert wurden. 1963 ging die Fabrik in Liquidation und das Gelände wurde von der Firma Schäffler übernommen, die wiederum 1994 die Produktion komplett einstellte.
In den 2010er-Jahren begannen Überlegungen zu einer Konversion der denkmalgeschützten Bauten zugunsten von Wohnen und Kultur. Es sollte ein autofreies Areal mit Parkhaus entstehen. Zudem sollte hier ein neuer Standort für das Kindertheater Chapeau Claque eingerichtet werden.
Mit ihrer Bamberger Kollegin Uschi Sowa und der Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing hat sich Sabine Weigand das Areal angeschaut. Verschiedene Bereiche sind von unterschiedlichen Architekturbüros beplant worden.
Im nördlichen Bereich des Geländes sind drei neue Reihenhäuserzeilen mit je zwölf Wohneinheiten und kleinen Vorgärten entstanden. An eine teilweise abgerisse Werkhalle wurde außerdem ein neuer mehrstöckiger Wohnkomplex angebaut.
Townhäuser in alter Fabrikhalle
In der zentralen Fabrikhalle hat man das Sheddach abgenommen und sehr kleine Wohneinheiten eingebaut. Im westlichen Gebäude wiederum hat man nur die Außenmauern stehengelassen und im Inneren ein komplett neues Gebäude eingesetzt. Einige Wohnungen haben hübsche kleine Vorgärten im 1. OG. Das ursprünglich im Erdgeschoss angesiedelte Kindertheater hatte leider nicht lange Bestand, da es zu Differenzen mit der Nachbarschaft kam. Damit ist das Areal zu einem fast reinen Wohngebiet geworden.
Als Solitär musste der denkmalgeschützte Schornstein erhalten bleiben, worüber die Bewohner des Areals nicht glücklich sind. Der Schornstein hat keine Funktion mehr, muss aber von der Eigentümergemeinschaft unterhalten werden. Insbesondere die Sicherung gegen herabfallende Mörtelbrocken oder Ziegelsteine verursacht stetig Kosten, die von den Eigentümern getragen werden müssen.
Treffpunkte schaffen, Gemeinschaft stiften
Neues Wohnen in einer ehemaligen Industriebrache - insgesamt zeigt unser Besuch in der „Alten Seilerei“, dass solchen Arealen ohne kulturelle/soziale Angebote, Gastronomie und Treffpunkte aller Art etwas fehlt. Obwohl es großzügige Außenbereiche gibt, trifft sich hier niemand, es gibt keine Sitzgelegenheiten, nichts lädt zum Verweilen ein, das ganze Gelände wirkt ungewöhnlich still und unbelebt. Es würde der Atmosphäre in der Alten Seilerei sicherlich guttun, wenn sich hier abseits des reinen Wohnens noch ein paar alternative Nutzungen finden ließen, die ein Miteinander fördern und Begegnungen ermöglichen könnten.
Sehr wohl fühlen sich allerdings auf dem Gelände die Betreiber des „Männerschuppens“, die ihre Heimstatt gegen Zahlung eines symbolischen Euros in der ehemaligen Betriebswerkstatt der Fabrik fanden. Der Diakonieverein trägt diese soziale Einrichtung, in der sich (alleinstehende) Männer, hauptsächlich im Rentenalter, zusammenfinden können. Dort betreiben sie eine Art Repair-Café, wo sie ihre beruflichen Fähigkeiten nutzen, um gegen Spenden technische Geräte zu reparieren.
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