Dr. Sabine Weigand

Mitglied des Bayerischen Landtags

Denkmaltour in Erlangen

Wohnen im Baudenkmal: Es gibt viele Herausforderungen

13.07.26 –

Erlangen - In der einstigen Montagehalle für Flakscheinwerfer an der Stoke-on-Trent-Straße in Erlangen-Bruck arbeiten seit rund acht Jahren Firmen und Selbständige im Co-Working. In dem Hallenbau mit Flachsatteldach und Stufengiebeln, Baujahr 1937 nach Plänen von Emil Zerler, wurden Büros mit knallbunten Wänden, Gemeinschaftsflächen mit Carrerabahn, Chillmöbeln und Boxsack, eine Bühne mit rieisgem Transparent, auf dem Albert Einstein die Zunge bleckt, eine Gastroküche plus großem Barbereich eingerichtet. Entwickelt von dem Münchner Investor Jürgen Jost, wurde aus der wuchtigen Industriehalle eine Spielwiese für Co-Worker und  Veranstalter. Im Erdgeschoss zog zudem ein Bio-Supermarkt dort ein, wo früher Züge repariert wurden, entsprechend breit und ziemlich hoch ist der Eingangsbereich.

Jost entwickelte auch das Areal um das Baudenkmal herum weiter- schicke Apartments, ein Hotel mit Pool auf dem Dach und ein Parkhaus entstanden. Das Energiekonzept setzt auf Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit, dazu tragen bei: Photovoltaik auf den Neubauten, Wärmepumpe und Geothermie, eine Betonkernheizung, die alle Räume effizient heizen und kühlen kann.

Aufzug auf der Wunschliste

Vincent Jost, Sohn des Entwicklers, und Monika Flohr, Community Managerin im Brucklyn-Coworking, führen Sabine Weigand und ihren Landtagskollegen aus Erlangen, Christian Zwanziger, durch die denkmalgeschützte Flakhalle. Die historische Bausubstanz sei vor Beginn des Umbaus insgesamt sehr gut gewesen, berichtet Jost. „Leider konnten wir aber im Baudenkmal nicht alles umsetzen, was wir uns wünschten. Wir hoffen, dass wir noch einen Aufzug genehmigt bekommen und würden uns über die Unterstützung der Denkmalschutzbehörde freuen“, sagt Flohr.

 „Das Brucklyn ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine Industriehalle kreativ umnutzen lässt“, sagt Sabine Weigand. „Dass darum herum ein neues Quartier entstanden ist mit einer autarken Energieversorgung ist wirklich gelungen.“

In der Erlangern Innenstadt, genauer in der Südlichen Stadtmauerstraße, baut die Schultheiss Wohnbau AG die ehemalige Kitzmann-Brauerei um zu Wohnen im Baudenkmal. Mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege stimmte der Bauträger ab, was in dem denkmalgeschützten Ensemble möglich ist – und was nicht. So dürfen die bauzeitlichen Fensteröffnungen nicht verändert werden, die historische Fassade ist zu erhalten, sogar die einzelnen Dachsparren im Sudhaus müssen erhalten werden. „Bauen im Bestand ist mühsam“, sagt Architekt Gerhard Wirth bei dem Ortstermin. Im Denkmal nochmal mehr, „es gibt noch nicht die Excel-Tabelle, die man nur abarbeiten müsste, es ist viel Detailarbeit gefragt.“

Statik verlangt Fingerspitzengefühl

Im historischen Sandsteingebäude und im ehemaligen Sudhaus der Kitzmann-Brauerei werden Geschossdecken entfernt, was statisch ebenso herausfordernd ist wie die Tatsache, dass der Sandsteinbau direkt auf Sand gebaut wurde, ohne festes Fundament. „Wir müssen Mauern umfänglich sichern, bevor wir etwas verändern, da sind viele kleine Unterstützungsmaßnahmen fällig“, sagt Projektleiter Olf Funk.

Beim Baustellenrundgang sind denn auch in vielen Räumen Eisenträger zu sehen, die für die Umbauphase eingezogen wurden. In das Sudhaus wurde ein zwei Meter dicker Betonsockel eingebracht, er bietet einem großen Kran Standfestigkeit.  Dass ein Kran während der Umbauphase in einem Gebäude steht und nicht daneben, ist eher selten.

Ein Baudenkmal umzubauen, berge viele Überraschungen, sagt Funk. So haben sich hinter neueren, gekachelten Wänden im Sandsteingebäude die historischen Mauern gefunden. Diese werden nun Sandstein für Sandstein gereinigt und hübsch gemacht.

Um die historische Außenfassade zu erhalten, entstehen innen liegende Laubengänge, die unter Beibehaltung der alten Fenster auch die zusätzlichen, neu eingezogenen Geschosse mit Licht versorgen.

Denkmalschutz sichert Qualität

„Die Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden sichert die Qualität der Bausubstanz, sie bereichert den Bauprozess, wenn die Absprachen einvernehmlich sind“, sagt Architekt Wirth. Rüdiger Sickenberg, Vorstand Planung und Entwicklung der Schultheiss Wohnbau AG, drängt jedoch darauf, das Bauen im (denkmalgeschützten) Bestand durch steuerliche Abschreibungen attraktiver zu machen. „Im denkmalgeschützten Ensemble gibt es steuerlich weniger Möglichkeiten als im Einzeldenkmal, der bauliche Aufwand ist aber fast genauso groß.“ Es fehle auch an Fördermitteln, ergänzt Wirth. „Und der Investor sollte einen Ausgleich dafür bekommen, dass er beim Bauen im Bestand aktiv zur CO2-Einsparung beiträgt.“

Sabine Weigand betont: „Wir wollen erreichen, dass Bauen im Bestand ein Automatismus wird, dafür brauchen wir einfachere, unbürokratischere Abläufe, auch bei Zertifizierungen im Bau.“ Und mehr Fördermittel für Bauen im Denkmal – „seit Jahren fordere ich eine Erhöhung der Mittel im E-Fonds und in der Kleinen Denkmalpflege, aber die Staatsregierung ist dazu nicht bereit.“

Gebäude und Viertel mit historischer Anmutung „tragen zu unserer Lebensqualität bei“. Hinzu komme, dass jeder Förder-Euro, der in die Sanierung eines Baudenkmals fließt, sieben Euro an privaten Investitionen generiert. „Davon profitieren auch das Handwerk und Zulieferer, das dürfen wir nicht vergessen“, ergänzt Christian Zwanziger.

In den "Glaspalast" ziehen Wohnungen ein

An der Werner-von-Siemens-Straße in Erlangen baut die Engelhardt Real Estate Consulting GmbH & Co. KG den denkmalgeschützten „Glaspalast“ um – aus Siemens-Büros werden Wohnungen. Der zuständige Entwickler Uwe Seybert führt die Gruppe, zu der auch die Grüne Bürgermeisterin Eva Linhart und Dr. Kathrin Müller vom Landesamt für Denkmalpflege gehören, durch den 15. Stock. Die Denkmalpflege und der Investor haben sich darauf einigen können, dass der Kern des Hochhauses mit den Aufzügen sowie die in jedem Stockwerk rundum laufenden Flure erhalten bleiben. Wo jetzt kleine Büros sind, werden Räume zu Wohnungen zusammengefasst, wobei die bisherigen Strukturen sichtbar bleiben sollen. Und die beeindruckende Glasfassade kann erhalten werden, indem innen liegende Loggien entstehen mit Fenstern, die sich öffnen lassen.

„Hier sind gute Lösungen gefunden worden“, freut sich Sabine Weigand. „Es ist beispielhaft, wie hier Büros zu Wohnungen umgenutzt werden. Und der Blick vom Dach des Hochhauses ist spektakulär.“

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Denkmalschutz | Grüne im Landtag | Mittelfranken

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