Dr. Sabine Weigand

Mitglied des Bayerischen Landtags

Denkmaltour macht Halt in Ingostadt

Start-ups im mittelalterlichen Wehrturm

29.07.26 –

Ingolstadt - Das denkmalgeschützte Kavalier Dalwigk und das umgebende Gelände, in Ingolstadt schön an der Donau gelegen, vereinen gleich drei Epochen der Stadtgeschichte: 1828 befand sich hier mit dem wehrhaften Verteidigungsbau Kavalier Dalwigk ein Teil der bayerischen Landesfestung. 1882 wurden neben dem Wehrturm eine Geschossfrabrik und eine Geschützgießerei gebaut. 1916 folgte der markante Wasserturm und ein Jahr später die Trafostation. Aus den ehemaligen Militärbetrieben entwickelte sich nach 1918 schließlich die Deutsche Spinnereimaschinenbau AG (DESPAG) zum größten Arbeitgeber Ingolstadts. 1992 schlossen die Werkstore für immer, Freistaat und Stadt übernahmen das Gelände. Nach langem Leerstand wurde das Gelände schließlich zur Heimat für digitale Innovationen. „Eine gelungene Revitalisierung eines Industriedenkmals“, sagte Sabine Weigand beim Rundgang. Mit Learnings für Umnutzungen ähnlicher Objekte andernorts.

Anita Hirsch, Leiterin der Stabsstelle für Wirtschaft & Wissenschaft der Stadt Ingolstadt, führte mit Claudius Rehbein vom Stadtmarketing Sabine Weigand über das Gelände. Mit dabei waren ebenfalls der Grüne Bezirksrat Joachim Siebler und die Grüne Kreisvorsitzende Natalie Pohl. Es dauerte nach der Werksschließung 1992 noch 20 Jahre, bis ein Bebauungsplan aufgestellt wurde. Alle historischen Gebäude bis auf das Kavalier Dalwigk und die Gießereihalle wurden abgerissen. Ab 2015 setzte eine Bauherrengemeinschaft den architektonischen Siegerentwurf um.

Digitale Innovation trifft Industriegeschichte

Heute befindet sich im Kavalier Dalwigk das digitale Gründerzentrum brigk. Nachbarn auf dem Gießereigelände sind die Technische Hochschule Ingolstadt sowie die Audi Akademie. Das Museum für Konkrete Kunst und Design zieht in die ehemalige Gießereihalle um, die dafür aufwändig unterkellert wurde. Die Wirtschaftsförderung sitzt in einem Neubau mit Übergang ins brigk. Gegenüber steht ein großer Hotelkomplex mit Kongresszentrum.

„Die Technische Hochschule eröffnet 2027 neue KI-Labore, im Gründerzentrum brigk sitzt auch das Fraunhofer Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, Start-ups und Forschungseinrichtungen entwickeln beispielsweise gemeinsam Fahrassistenzmodelle für Autos weiter“, erklärte Claudius Rehbein. Das Kavalier Dalwigk soll sich mit den umliegenden Einrichtungen zum „Innovationsmotor für Ingolstadt“ mausern. „Gründerinnen und Gründer, Studenten, Firmen und Forschung können sich hier miteinander vernetzen“, ergänzte Anita Hirsch.

Und das in Räumen mit historischem Flair. Im Gründungszentrum arbeiten die Start-ups beispielsweise in Büros in den denkmalgeschützten Tonnengewölben. Viele architektonische Details blieben erhalten. Der Wasserturm bietet Gastronomie mit tollem Ausblick und wurde um einen Aufzug ergänzt. Im Trafohaus befinden sich Veranstaltungsräume. „Historische Industriegebäude umzunutzen für Technologien der Zukunft macht Sinn, sorgt für Arbeitsplätze und steigert die Attraktivität von Kommunen“, sagte Sabine Weigand. Learnings aus dem Best-Practice-Beispiel Kavalier Dalwigk seien: „Neubauten und Industriedenkmäler müssen sich stimmig zusammenfügen. Und in Zeiten sich zunehmend erhitzender Städte sollten Grün und Beschattung mitgedacht werden.

Vom Verlagshaus zum Kulturrathaus

Die zweite Station in Ingolstadt war das ehemalige Verlagshaus des Donaukuriers in der Donaustraße 11. Der fünfgeschossige Gebäudekomplex mit seiner klar gegliederten Fassade bildet einen sanften Bogen. 1954 eingeweiht, steht der damals innovative Bau der Architekten Josef Elfinger und F. X. Proebst nicht unter Denkmalschutz. Der Donaukurier ist schon lange ausgezogen, im Erdgeschoss befand sich bis 2008 eine Buchhandlung. Die RMN GmbH kaufte das Gebäude und entschied sich dafür, den Charakter des markanten 50er Jahre-Gebäudes zu erhalten. „Bevor wir uns an den Umbau gemacht haben, war sogar mal der Abriss im Gespräch, es sollten hier neue Stadthäuser reingesetzt werden“, sagte der Geschäftsführer des Bauträgers, Werner Rupp. „Das wäre ein großer Verlust für die Innenstadt gewesen.“

Bevor der Umbau startete, stand die künftige Nutzung fest: Aus dem Verlagshaus sollte das städtische Kulturrathaus werden. Tatsächlich arbeiten hier jetzt Kultur- und Bildungsreferat unter einem Dach. Vorher waren sie auf elf Standorte in Ingolstadt verteilt - beim Rundgang durch das Gebäude war in Gesprächen mit städtischen Angestellten deutlich zu spüren, wie sehr sie jetzt die räumliche Nähe zu den Kollegen schätzen.

Auch die Intendanz des Stadttheaters hat hier ihre Büros, ebenso wie die Freie Kulturszene mit im Haus sitzt. Im Erdgeschoss wurde Platz geschaffen für die Kreativwirtschaft und für Co-Working. Tätowiererin Janine Kanik fühlt sich in ihrem neuen Studio sehr wohl, ihre Kunden kommen gerne in den umgenutzten Altbau. Der präsentiert sich mit viel Sichtbeton, simplen Holzverschalungen an den Wänden und unterschiedlichen Farbakzenten in den Fluren der einzelnen Stockwerke hauptsächlich schlicht und unprätentiös. Um eine Etage mit großem Besprechungsraum aufgestockt, hat man von der Dachterrasse einen tollen Blick auf die Innenstadt.

Das Gebäude will sich bewusst in die Stadt hinein öffnen: Im Erdgeschoss wird ein Café eröffnen, „wir haben die geschwungene Fassade nach Innen versetzt, so sind Arkaden entstanden, die von der Gastronomie für Außenbestuhlung genutzt werden können“, sagte Rupp. „Es ist toll, wenn Investoren den Charakter eines historischen Gebäudes erhalten, auch wenn es kein Denkmal ist“, lobte Sabine Weigand. „Hier in der Donaustraße zeigt sich auch, wie wichtig es ist, mit einem guten Nutzungskonzept an einen Umbau zu gehen. Funktionalität ist ein wichtiges Stichwort. Und es ist schön zu sehen, wie Details des alten Gebäudes, zum Beispiel die Original-Glasbausteine aus dem dritten Stock, wiederverwendet werden.“ Sie sollen die Theke des Gastronomie verschönern.

Unter folgendem Link sich ein Bericht von TV Ingolstadt über den Besuch:

https://www.tvingolstadt.de/mediathek/video/denkmalschutztour-macht-station-in-ingolstadt-2/

 

Kategorie

Denkmalschutz | Grüne im Landtag

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