Dr. Sabine Weigand

Mitglied des Bayerischen Landtags

Gelungene Umnutzung in Würzburg

Sekt statt Gerstensaft: Auftakt der Denkmaltour im Bürgerbräu

19.06.26 –

Würzburg - In der Zellerau arbeitete zu Ende des 19. Jahrhunderts eine der modernsten Brauereien Deutschlands, heute werden im Bürgerbräu am Rande Würzburgs unter anderem Sekt und Kultur kredenzt. Büroräume, Praxen, Ateliers, ab Ende 2026 das Regionalstudio des Bayerischen Rundfunks, ein Kino und eine Kleinkunstbühne, ein Café und ein grüner Platz zum Beisammensitzen – dieser bunte Mix klang für uns nach einer idealen Umnutzung für einen denkmalgeschützten Industriebau. Also fuhren wir zum Start der Denkmaltour 2026, die der Frage nachgeht, wie sich Industriedenkmäler und Baudenkmäler der Nachkriegszeit sinnvoll neu beleben lassen, nach Unterfranken.

Die Architekten Manuela und Roland Breunig kauften 2011 mit einer Bietergemeinschaft das denkmalgeschützte Bürgerbräu an der Frankfurter Straße in der Zellerau. 1886 eröffnet, kühlten hier 1989 die Braukessel endgültig ab. Die Stadt Würzburg erwarb das Areal, „doch es fand sich kein Entwickler, der sich an das große Gelände heranwagte“, erzählt Manuela Breunig. Die denkmalgeschützten Gebäude – vom Braumeisterhaus über Sud- und Kesselhaus bis hin zum Generatorenhaus und den Pferdeställen – waren in der Substanz gut erhalten. Doch alte Bierkeller waren verschüttet, zig Räume seit Jahren nicht betreten worden – Abenteuergeist war gefragt.

Denkmalabschreibung als wichtiges Argument

Und ohne staatliche Förderung war die Transformation eine große Herausforderung. Es gab ein Nutzungskonzept, aber noch längst nicht genug Käufer. Dass die Gebäude veräußert werden mussten, stand jedoch fest, sonst wäre das Projekt nicht zu stemmen gewesen. „Für die Käufer war die Denkmalabschreibung ein wichtiges Argument, ohne diese hätte es nicht funktioniert“, sagt Breunig.

Seit über 20 Jahren standen die Gebäude zum größten Teil leer. Die Tucher Brauerei nutzte sie zwischenzeitlich als Lager, 1992 zog mit dem Autonomen Kulturzentrum Würzburg die Subkultur ein. „Uns war klar: Die Kultur soll bleiben“, sagt die Planerin. Möglich wurde das auch durch eine Mischkalkulation: Das Programmkino „Central“ in der ehemaligen Flaschenfüllerei hätte es sich nicht leisten können, die Räume selber zu kaufen, also wurde ein anderer Käufer gesucht. „Aber dem konnten wir finanziell nur weniger abverlangen, weil er mit dem Kino als Mieter weniger Einnahmen hat als andere Investoren“, so Breunig.

Kino im Kellergewölbe

Die Flaschenfüllerei ist auch ein gutes Beispiel für die kreative Umplanung des Bestandsgebäudes: Die 22 beeindruckenden Gewölbekeller, in denen früher das Bier lagerte, waren verschüttet und wurden wieder ausgegraben. Heute öffnen sie sich mit großen Glasfronten zur Frankfurter Straße hin. Vorgesetzte neue Gebäudeteile schaffen Platz, etwa für das Foyer des Kinos und einen Aufzug, der das ansteigende Brauereigelände barrierefrei zugänglich macht.

Der Einbau moderner Elemente, der Ausbau von Dachflächen und die Integration von neuen Zugänge und Belichtungselementen – all das sei in guter Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Würzburg gelaufen, betont Breunig. Amtsleiterin Antonia Derek ergänzt: „Wir haben Abweichungen genehmigt, um den Bestand zu würdigen und eine Entwicklung des Denkmals zu ermöglichen.“ So sei auch die Zahl der geforderten Stellplätze reduziert worden. Bei den PV-Anlagen besteht allerdings Nachholbedarf – Module wurden nur auf den neuen Gebäuden montiert. Mehr habe der Denkmalschutz in den 2010er Jahren nicht erlaubt, sagt Breunig.

Kinosäle in eindrucksvollen Gewölbekellern, die Kleinkunstbühne des „Vereins für kulturelle Vielfalt“ ebenfalls tief unter der Erde, das Studio des Bayerischen Rundfunks, das ab Ende 2026 im Sudhaus mit seiner schön restauriertem Sandsteinfassade arbeitet, ein Café im ehemaligen Pferdestall – „das Bürgerbräu ist das spannendste Kulturprojekt, das ich seit langem gesehen habe“, freut sich Sabine Weigand. „Der Mut der Entwickler wurde belohnt, diese Umnutzung ist absolut quartierprägend.“

Und wie zieht man die Bürgerinnen und Bürger auf ein neu entwickeltes Gelände? „Wir haben gleich nach dem Kauf Feste auf dem Areal veranstaltet, um die Menschen neugierig zu machen und mit dem Projekt zu verbinden“, sagt Manuela Breunig. Auch in Zukunft sollen auf dem großen, gerade noch im Umbau befindlichen Freigelände Feste für die Menschen in der Zellerau stattfinden.

Stadt blieb mit im Boot

Wichtig für das Projekt war es sicher auch, dass die Stadt Würzburg mit im Boot blieb und Gebäudeteile weiterhin selber bewirtschaftet, etwa die Künstlerateliers. Von Rückschlägen, wie der bisher gescheiterten Ansiedlung eines Hotels, darf man sich nicht entmutigen lassen. Und wichtig ist es auch, gute Partner zu haben. Die Sektkellerei Höfer, die schon einige Jahre Crémant statt Bier in der Zellerau herstellt, gehörte zur Investorengruppe. 2024 zog sie auf dem Areal um und eröffnete neue Geschäfts- und Produktionsräume im Generatorenhaus. In zwölf Metern Tiefe und unter zwei Meter starken Gewölben wird Sekt nach dem traditionellen Schampagnerverfahren hergestellt. Im Obergeschoss mit seinen per Hand zu öffnenden Stahllamellen wurde früher der Hopfen getrocknet, heute finden dort Konzerte statt. „Das war ein spannender erster Tag der Denkmaltour 2026, ich bin sicher, das ich dem neuen-alten Bürgerbräu wieder einmal einen Besuch abstatten werde“, sagte Sabine Weigand zum Abschluss.

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