Dr. Sabine Weigand

Mitglied des Bayerischen Landtags

Alte Spinnerei in Mainleus mit viel Potential

Kletterhalle im Kesselhaus

16.09.26 –

Mainleus - In Mainleus wurden Sabine Weigand und ihr Team erwartet vom 1. Bürgermeister Robert Bosch mit seiner Bau-Abteilungsleiterin Bettina Seliger, Kreisbaumeister Andreas Schürlein, Kreisheimatpfleger Uwe Franke und Gebietsreferentin Dr. Kathrin Gentner. Ergänzt wurde die Runde durch die Grüne Kreisrätin Brigitte Lauterbach und Kreisvorstand Stefan Opel. 

Der Spinnereibetrieb in Mainleus ist eine Zweigstelle der Aktiengesellschaft "Kulmbacher Spinnerei" und wurde auf Betreiben des Fürther Unternehmers Fritz Hornschuch, Sohn des Firmengründers Christian Heinrich Hornschuch, erbaut. Produktionsbeginn in Manleus war 1909. 

Hornschuch fand hier optimale Bedingungen vor: Verkehrswege mit Eisenbahn und Main, Menschen, die mit der Landwirtschaft ein geringes Einkommen hatten, billigen Baugrund und Rohstoffe für die Herstellung von Zement als Baumaterial.

Jede Familie hatte mit der Spinnerei zu tun

Bis 2010 lief der Betrieb in Mainleus. Doch 2013 stand die Anlage komplett still, als auch der letzte Teilbetrieb in Insolvenz ging. Für die Marktgemeinde Mainleus stellte sich die Frage, wie sie mit dem riesigen Gelände umgehen soll. Die Spinnerei bildete den Motor für die wirtschaftliche Entwicklung und das Bevölkerungswachstum. Das Spinnrad ist sogar Bestandteil des Stadtwappens. Bürgermeister Bosch brachte es auf den Punkt: „In Mainleus hat praktisch jede Familie etwas mit der Spinnerei zu tun.“ 

Zum 1. Juli 2017 erwarb die Marktgemeinde das komplette Gelände mit Unterstützung der Förderinitiative Nordostbayern. Außerdem gelang es, das Vorhaben als „Nationales Projekt des Städtebaus“ zu etablieren. So konnte ein städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt werden, der 2018 ein Ergebnis brachte, das jetzt nach und nach umgesetzt wird. 

Ein positiver Nebeneffekt der Aufnahme in das nationale Projekt des Städtebaus sei es, sagte Bürgermeister Bosch, dass turnusmäßige Vernetzungstreffen mit all den anderen Gemeinden stattfinden. So könne man Kontakte zu anderen Kollegen ausbauen und innovative Denkansätze kennenlernen. 

Bisher wurde bereits ein Teich zur Regenrückhaltung, als Erholungsziel und als Teil der „blauen“ Infrastruktur angelegt. In Bau ist aktuell die Promenade, die die zentrale Wegeführung durch das Gelände bildet. Optisch sticht das Kesselhaus heraus, die ehemalige Energiezentrale mit drei Dampfmaschinen, die aus musealen Gründen im Gebäude verbleiben. Dort entsteht eine Kletterhalle, die von der Gemeinde selbst in Kooperation mit dem Alpenverein betrieben werden soll.

Wohnungen unter Sheddach

Die großen Hallen im südlichen Teil mit dem optisch markanten Turm dienen der Kultur. Die Sheddachhalle im Norden wurde in Teilen abgerissen. Dort sollen Wohnungen entstehen, für die laut Bürgermeister eine enorme Nachfrage bestehe. 

Gebietsreferentin Kathrin Gentner lobte die Einstellung, die in Mainleus herrscht. Es ist zwar nur ein geringer Teil des Denkmals tatsächlich ein Einzeldenkmal, aber die Identifikation der Menschen mit der ehemaligen Fabrik sei riesig. „Insgesamt ist das ein vorbildlicher Umgang mit dem baulichen Erbe.“ 

Vom Vorgehen der Marktgemeinde zeigte sich Sabine Weigand tief beeindruckt. „Der Mut, den Sie hier zeigen, nötigt mir allergrößten Respekt ab. Ein Bauvorhaben dieser Größenordnung zu stemmen, ist für eine Gemeinde wie Mainleus eine riesige Aufgabe. Dafür wünsche ich Ihnen den maximalen Erfolg. Aber der Eindruck, den ich heute von den verantwortlichen Personen gewonnen habe, stimmt mich sehr zuversichtlich.“ 

Der anschließende Rundgang führte in die wenige hundert Meter entfernte, ehemalige Arbeitersiedlung der Spinnerei. Der gesamte Bereich ist ein Denkmalensemble, das mit seinem Namen Hornschuchshausen an den Unternehmer erinnert.

Sanierte Gaststätte und Wohnungen bilden neues Zentrum

Zu den Einzeldenkmälern gehört auch die Turnhalle von 1920/21, die frisch saniert wurde mit einem neuen Parkettboden und einem Funktionstrakt, der jetzt, im Unterschied zur Bauzeit, neben Toiletten und Umkleiden für Männer auch solche für Frauen bereithält. 

Sehr bemerkenswert sind auch die sanierte Spinnstube -  eine Gaststätte mit Biergarten, die als Inklusionsbetrieb geführt wird - sowie das daran anschließende Mehrfamilienwohnhaus, in dem nach der Sanierung zeitgemäße Wohnungen entstanden sind. Zusammen mit den schmucken Außenanlagen bildet dieses Karree das Zentrum des Ortsteils und animiert die Eigentümerinnen und Eigentümer der ehemaligen Arbeiterhäuser, sich bei möglichen anstehenden eigenen Sanierungen an diesem Vorbild zu orientieren. 

Kategorie

Denkmalschutz | Grüne im Landtag

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