16.09.26 –
Marktredwitz - „Die Glasschleif ist ein Paradebeispiel für Erhalt und Sanierung“, so Oberbürgermeister Oliver Weigel. Doch der Weg, dorthin war weit.
Seit dem Jahr 1912 wurde in der Fabrikhalle mit den Jugendstilelementen Glas geschliffen und poliert. Doch in den 30er Jahren war es mit der ursprünglichen Nutzung schon vorbei. Das Gebäude wurde unter anderem als Reithalle genutzt, ehe es 1983 in den Besitz der Stadt kam. Es wurde Teil des Bauhofs, wurde für den Fuhrpark genutzt und diente als Streusalzlager, was negative Folgen für die Bausubstanz hatte.
Langjährige Diskussionen im Stadtrat folgten. Auch der Abriss zugunsten eines Discounter-Marktes erschien möglich. Letztendlich konnte eine Förderkulisse gezimmert werden, die mit 90%iger Förderung eine Sanierung zu einer Veranstaltungshalle ermöglichte.
Ungewöhnlicher Ort für Events
Die stellvertretende Landrätin Martina von Waldenfels betonte die Übereinkunft mit dem benachbarten Betrieb, der den Firmenparkplatzes zur Nutzung bei großen Veranstaltungen frei gibt.
Baurat Stefan Büttner führte durch die Halle, die in zwei Eventbereiche geteilt werden kann. Prunkstück ist die große ehemalige Produktionshalle mit der Besonderheit eines Polonceau-Daches, einer Stahlkonstruktionen, die Schub- und Druckkräfte so geschickt verteilt, dass eine große Fläche ohne Säulen oder Stützwände überspannt werden kann.
Die Seitenwände behielten den Industriecharme und wurden nicht verputzt, auch die Fenster wurden von der Optik her im Industriedesign nachgebaut. Neu ist der Boden aus blankem Industrieestrich, der den Industriecharakter unterstreicht.
Zugeständnisse von Seiten des Denkmalschutzes gab es hinsichtlich der Fluchtwege. Im Keller sind Haustechnik, Toiletten, Umkleiden und der „Blaue Salon“ für größere Gruppen bei Gastspielen untergebracht.
Die Halle kann, je nach Veranstaltungsgröße, geteilt werden. Möglich sind Events bis 3000 Gäste, 1500 bei Bestuhlung und 200-250 nur im Eingangsbereich. Um optische Leere zu vermeiden, kann die Bühne je nach Bedarf nach vorne verschoben werden. Die Nutzung findet, da die Halle nicht beheizt ist, in den Sommermonaten statt. Im Winter ist der Weihnachtsmarkt mit einer Natureislauffläche das Hauptevent.
Bekenntnis zur gebauten Heimat
Bei noch größeren Veranstaltungen und Kongressen kann die Stadthalle auf der anderen Straßenseite herangezogen werden. Die ehemalige Turnhalle (Bauzeit 1923/24) der benachbarten Grundschule wurde saniert und an die neuen Erfordernisse angepasst. Zusätzlich wurde unter geschickter Nutzung der Hanglage eine moderne Schulturnhalle angebaut.
Sabine Weigand war erneut beeindruckt von den Entwicklungen in der Stadt Marktredwitz, die so gar nicht dem Klischee der oberfränkischen Strukturschwäche entspricht. „Die Sanierung der historischen Bausubstanz ist ein Bekenntnis zum Erhalt der Heimat. Auch wenn die traditionellen Industrien wie Glas- und Porzellanproduktion in großen Teilen weggebrochen sind, ist hier in Marktredwitz der Geist des Aufbruchs mit Händen greifbar.“
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