Dr. Sabine Weigand

Mitglied des Bayerischen Landtags

Besuch in Gropius-Bau in Amberg

"Glaskathedrale" vereint Design und Produktion

09.10.26 –

Amberg – Das einzige Industriedenkmal der Denkmaltour, in dem tatsächlich noch gefertigt wird, besuchte Sabine Weigand mit ihrer Landtagskollegin Laura Weber in Amberg. In der Stadt in der Oberpfalz ist bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Glasproduktion beheimatet, Ende der 1960er Jahre plante schließlich Bauhaus-Gründer Walter Gropius dort seinen letzten Industriebau. Die „Glaskathedrale“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Architektur der Moderne und sie zeigt: Auch in einem Baudenkmal lässt sich zeitgemäß produzieren.

Walter Gropius baute die Glasfabrik für Philip Rosenthal und dessen Thomas-Kristallwerke in Amberg.  Die 100 Meter lange Schmelzofenhalle mit ihrem imposanten, A-förmigen Dach und dem dreieckigen Querschnitt wurde 1970 fertiggestellt und erinnert an eine gotische Kathedrale. Diese Wirkung verstärken noch die übereinander gestaffelten, geneigten Dachflächen mit horizontal eingeschobenen Fensterbändern. Die den Längsseiten vorgelagerten niedrigen Flachbauten, versenkt unter Grasböschungen, waren für Endverarbeitung, Lager und Versand gedacht. Sie sind durch verglaste Gänge mit der zentralen Ofenhalle verbunden.

Innenhöfe sorgen für kühle Luft

Innenhöfe dienen der Kühlung der Produktionshalle, in der damals an drei Öfen und einer industriellen Linie Gläser in guter alter Handwerkstradition hergestellt wurden. Die ausgeklügelte Luftzirkulation über die Dachfenster erleichterte den Angestellten die Arbeit. Für sie ließ Gropius zudem in den Innenhöfen Obstbäume pflanzen, an denen sie sich bedienen konnten.

„Typisch für die Bauhaus-Architektur ist die Verwendung von Fertigbetonteilen“, erklärte Stadtheimatpflegerin Beate Wolters. Durch die verglasten Flächen erreichte Gropius zudem, dass die sonst oft dunklen Fertigungshallen im „Glaspalast“ lichtdurchflutet sind. Ergänzend zu der Produktion plante er unweit der Halle Arbeiterwohnungen, die ebenfalls heute noch stehen.

Rosenthal produzierte in Amberg bis 1997, anschließend übernahm die Firma Nachtmann die Glashütte. Seit 2004 ist die Firma Riedel investierender Eigentümer der „Kristall-Glasfabrik Amberg GmbH". In der langen Fertigungsstraße werden Gläser für die Gastronomie gefertigt, 68000 pro Tag. 2006 wurde die „Glaskathedrale“ unter Denkmalschutz gestellt.

Gearbeitet wird 24/7, insgesamt sind im Amberger Werk 150 Mitarbeitende beschäftigt, an einem Tag können 32 Tonnen Rohstoffe in der Schmelzwanne verflüssigt werden. „Es ist einzigartig, dass wir hier in einem hochkarätigen Baudenkmal eine hochmoderne Produktion haben“, sagte Werkleiter Christof Groß. Die Einschränkungen durch die historische Bausubstanz halten sich aus seiner Sicht in Grenzen: „Wir können keine größere Lagerwirtschaft aufbauen, dies würde das Denkmal zu stark beeinträchtigen.“ Zudem seien die großen Glasflächen schwer zu reinigen und sie erschweren die Dämmung.

Leichte Veränderungen am Denkmal

In Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde wurden eine Anlage zur Verstromung der Abwärme errichtet und Elektrofilter eingebaut. Beim Rundgang durch die Halle wurde deutlich, dass die ursprüngliche Transparenz durch die Abtrennung von Gebäudeteilen für die Lagerhaltung etwas gelitten hat. Doch zum größten Teil ist der Bau gut erhalten, „der Beton platzt an einigen Stellen ab und das Flachdach hat undichte Stellen, aber das sind noch lange keine echten Probleme“, sagte Wolters.

Die Glasfabrik investiert viel in die Wärmerückgewinnung, schließlich machen Energiekosten bei der Glasproduktion ein Drittel der Ausgaben aus. Noch wird mit Gas geheizt, doch sollten die Strompreise sinken, könnte eine neue Schmelzwanne in rund fünf Jahren vollelektrisch laufen.

Stolz auf den Gropius-Bau

Christof Groß findet, dass die Amberger ruhig noch etwas stolzer sein könnten auf die „Glaskathedrale“, den einzigen Bau von Walter Gropius in der Oberpfalz. Viermal im Monat finden Führungen für Besuchergruppe im laufenden Betrieb statt. „Das ist schon außergewöhnlich“, sagte Werner Stiegler vom Stadtmuseum Amberg, der regelmäßig durch die Halle führt. Ulrich Strobl vom Bauverwaltungsamt der Stadt Amberg ergänzte: „Denkmalschutz muss mit Produktion zusammengehen können. Wir bemühen uns mit dem Unternehmen immer um einen Konsens bei denkmalfachlichen Fragen.“ Stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Fruth ist froh über den guten Arbeitgeber und über die Tradition der Glasbläserei in Amberg.

„Es ist beeindruckend, wie hier Denkmalschutz, Produktion und Nachhaltigkeit zusammengehen“, sagte Sabine Weigand abschließend. „Dafür braucht es Kompromissbereitschaft von allen Seiten. Die sehe ich hier genauso wie die Liebe für dieses ganz besondere historische Gebäude. Die Glaskathedrale von Gropius hat mich beeindruckt und ich wünsche mir, dass noch viele Menschen herkommen, um sich dieses imposante Gebäude anzusehen.“

 

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