• Skurile Gesprächssituation im Wahlkreisbüro von Sabine Weigand: Armin Vogel, Bernie Batke sowie Claudia Martin und Gerd Grashaußer diskutieren mit der Gastgeberin (v.l.n.r.)

Zur Situation der Kulturschaffenden

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Informationsgespräch mit drei Künstlern und Kulturschaffenden aus Schwabach

02. Mai. 2020 –

Es ist absehbar, dass die großen Verlierer der derzeitigen Corona-Pandemie die Künstler und Kulturschaffenden sein werden, die neben der eigenen Kreativität vor allem eines brauchen: Auftritte vor Publikum. Wie sich die Situation in Schwabach darstellt, wollte die Landtagsabgeordnete Sabine Weigand, Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst, erfahren und hat sich drei Protagonisten ins Regionalbüro eingeladen.

Zum Informationsgespräch erschienen Gerd Grashaußer alias Geraldino mit Managerin Claudia Martin, Musiker Bernie Batke (Smokestack Lightnin’) und Armin Vogel, Betreiber der Marionettenbühne. Selbstverständlich wurde auf Mund- und Nasenschutz sowie Einhaltung der Sicherheitsabstände geachtet.

Alle drei berichteten übereinstimmend, dass seit Mitte März sämtliche Auftritte abgesagt wurden und bis August auch keine Veranstaltungen stattfinden. „Damit wurden Kulturschaffende praktisch mit einem Berufsverbot belegt“, so Claudia Martin. Es gehen ja nicht nur die Honorare für den Auftritt verloren, sondern auch die Möglichkeit, CDs zu verkaufen oder auch wichtige Kontakte für Folgeengagements zu knüpfen. „Wir sind die ersten, die betroffen waren und werden die letzten sein, die wieder einsteigen dürfen.“

Armin Vogel hat für eine seiner beiden Mitarbeiterinnen der Marionettenbühne Kurzarbeit mit 0 Stunden angesetzt. Eine Mitarbeiterin ist der Empfehlung gefolgt, Grundsicherung („Hartz IV“) zu beantragen. Statt Grundsicherung zu gewähren, versuchte die Arbeitsagentur, die Mitarbeiterin trotz eines gültigen Arbeitsvertrags in eine andere Tätigkeit zu vermitteln. Vogel berichtete außerdem vom Verlust von Sponsorengeldern. Das treffe ihn schwer, sei für ihn aber nachvollziehbar, da „ein Betrieb seiner kurzarbeitenden Belegschaft schwer vermitteln kann, dass er weiterhin eine Marionettenbühne unterstützt“.

Die Corona-Soforthilfe greift bei Bernie Batke nicht. Dieses Angebot soll helfen, die Betriebsausgaben zu decken, und nicht die Honorarausfälle. Wer kein eigenes Studio hat oder Mitarbeiter entlohnen muss, geht bei diesem Angebot leer aus. Beantragt wurde dieses „unbürokratische, schnelle“ Hilfsprogramm von allen dreien bereits vor Wochen. Bisher hat keiner eine substanzielle Antwort erhalten, von einer Zahlung ganz zu schweigen. „Bekannte aus Baden-Württemberg oder Berlin“, so Grashaußer, „hatten bei vergleichbaren Soforthilfeprogrammen ihrer Bundesländer innerhalb weniger Tage Geld erhalten.“

Das Abrutschen in die Sozialhilfe hätte für Künstler und Kulturschaffende weitreichende Konsequenzen, beispielsweise den Ausschluss aus der Künstlersozialkasse. Die Kasse selbst ist konziliant und ermöglicht die Reduzierung der Krankenkassen- und Rentenbeiträge. Damit verbunden ist aber auch der Verlust von Rentenpunkten. Außerdem müssten die Künstler bei einer Inanspruchnahme von Sozialhilfe erst ihre finanziellen Rücklagen verbrauchen - also das Geld, das sie als Freiberufler vorausschauend für den Ruhestand angespart haben. 

Die bayerische Staatsregierung beabsichtigt, den Betroffenen ab Mai für drei Monate 1000 Euro zu bezahlen. Das wird von allen als nicht ausreichend empfunden. Sabine Weigand berichtet von der Initiative der Grünen Landtagsfraktion, die fordert, den betroffenen Personen rückwirkend ab März monatlich 1.180 Euro zu Verfügung zu stellen, solange bis Auftritte wieder möglich sind. Dieser Betrag entspricht dem Pfändungsfreibetrag und er zwingt niemanden, Rücklagen abzuschmelzen. Das folgt dem Modell, das Baden-Württemberg eingeführt hat. Trotz der vorhandenen Dringlichkeit wird der Antrag erst in der nächsten Sitzung des Ausschusses Wissenschaft und Kunst diskutiert (Mittwoch, 06.05.).

Alle drei Gäste zeigten sich frustriert über die mangelnde Wertschätzung ihrer Leistungen in der momentanen Situation. Schlimm sei, dass man keinerlei Aussichten auf ein Ende der Krise habe. Veranstalter wagten es derzeit nicht, für den Herbst  oder Winter zu planen, solange das Veranstaltungsverbot bestehe. So sei kein Ende der Durststrecke in Sicht. 

Kunst und Kultur sind bedeutende Beiträge für das gesellschaftliche Miteinander und eine Bereicherung für unser Leben. „Was würden wir zuhause tun ohne Bücher, Musik oder Filme?“ fragt Batke und erhält von Sabine Weigand volle Zustimmung. Sie kündigte an, sich in der kommenden Woche in der Ausschusssitzung für die Anliegen der Kunstszene einzusetzen, so wie es im Artikel 140 der Bayerischen Verfassung verankert ist.

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