• Der zentrale Gebäudeteil und Teile der beiden Flügel bleiben stehen. © Harald Sippel

Gute Lösung für HuPflA in Erlangen

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Nach monatelanger Behandlung der Petition zum Erhalt der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt zeichnet sich jetzt eine guter Kompromiss ab, der Denkmalschutz, Gedenken am NS-Opferort und Ansprüche moderner Medizinforschung vereint

22. Mai. 2020 –

Beim Tauziehen um den Abriss der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Erlangen (HuPflA) zeichnet sich eine Lösung ab, die „keine Verlierer zurücklässt“, so Dr. Sabine Weigand MdL, Historikerin und Sprecherin für Denkmalschutz in der Grünen Landtagsfraktion. Aufgrund einer Petition des Stadtheimatpflegers Karl-Heinz Rottmann, der damit für den Erhalt des Bauwerks als Erinnerungsort für die Krankenmorde der Nationalsozialisten kämpfte, wurde die Angelegenheit im Ausschuss Wissenschaft und Kunst des Bayerischen Landtags behandelt. 

Wegweisend für den Kompromiss war eine Stellungnahme des Kulturwissenschaftlers Jörg-Ulrich Skriebeleit, der als Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg prädestiniert für den angemessenen Umgang mit Opferorten ist. Er brachte im Ausschuss die Überlegung ins Spiel, anstatt des Ostflügels den Mittelrisalit der HuPflA und beidseitig Teile des Ost- und Westflügels zu erhalten. Um diesen verbleibenden Gebäudekomplex könnten sich zukünftig die Neubauten der Universität gruppieren. Der Ausschuss beschloss den entsprechenden Teil der Petition zur Würdigung ans Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst zu überweisen, mit der Bitte an das Uniklinikum Erlangen, seine Pläne für Neubauten zur Medizinforschung noch einmal zu überdenken. Das Uniklinikum hat sich daraufhin zu einer Umplanung bereiterklärt und auf den Komplettabriss verzichtet. 

Der verbleibende Gebäudeteil wird zukünftig architektonischer Fixpunkt der gesamten Anlage. Die typische Symmetrie des Bauwerks bleibt erhalten; somit korrespondiert es mit dem ehemaligen Direktionsgebäude am Maximiliansplatz. Dadurch werden Täterort und Opferort in Bezug zueinander gesetzt. 

Sabine Weigand hat sich im Ausschuss vehement für eine angemessene museale Aufarbeitung des Umgangs mit „lebensunwertem Leben“ in der Zeit des Nationalsozialismus eingesetzt. „Bund und Freistaat geben hohe Millionenbeträge für Täterorte aus, beispielsweise an der Zeppelintribüne oder am Obersalzberg. Das ist auch gut so. Aber auch die Situation der Opfer muss adäquat wiedergespiegelt werden. Wir haben in Bayern keinen Ort, an dem das Thema ‚Krankenmorde im Nationalsozialismus‘ angemessen didaktisch und museal präsentiert wird. Das Wissen um die menschenverachtende Perfidität und Kaltblütigkeit der NS-Ärzte, um die gnadenlose Vernichtung von `Ballastexistenzen´, darf nicht verloren gehen. Gerade im Zentrum der medizinischen Spitzenforschung ist diese Gedenkstätte bestmöglich angesiedelt und Mahnung und Ansporn zugleich. Ich bin sehr glücklich darüber, dass diese Lösung gefunden wurde und danke allen Beteiligten für das Einvernehmen.“

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