• Die Grünen bringen am 4.Juni 2022 ein Pop up-Gründerinnenzentrum nach Nürnberg. Denn die Zahl der weiblichen Start-ups muss endlich steigen. Foto: Unsplash

Gründerinnen bekommen kaum Risikokapital

Online-Diskussion über weibliche Start-ups als Wirtschaftsfaktor

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22. Mar. 2022 –

Warum bekommen Gründerinnen in Deutschland bislang fast nichts ab vom Start-up-Kuchen? Dieser Frage gingen die drei Grünen Landtagsabgeordneten Dr. Sabine Weigand, Verena Osgyan und Barbara Fuchs sowie die frauenpolitische Sprecherin der Grünen Stadtratsfraktion in Nürnberg, Natalie Keller, in ihrer Online-Podiumsdiskussion „Zentren für Gründerinnen als Motor für Innovationen“ nach. Sie diskutierten unter der Moderation von Ute Möller mit: Stephanie Bschorr vom Investorinnen-Netzwerk encourage ventures, Unternehmerin Janine Jede, ausgezeichnet mit dem IHK-Gründerpreis 2021, der Leiterin der Münchner Gründerinnenberatung „Guide“, Bettina Wenzel, und der Kölner Unternehmerin Tanja Zirnstein (UVIS UV-Innovative Solutions GmbH).

„Der Anteil der Frauen an den innovativen Gründungen liegt in Deutschland gerade mal bei 15,7 Prozent. Er ist in den letzten Jahren kaum gestiegen, das möchten wir ändern“, stellte MdL Sabine Weigand in ihrer Einführung in das Thema fest. Nur jedes zehnte Start-up wird von einem weiblichen Team aufgebaut, nur 20 Prozent haben eine diverse Führungsebene. Weigand: „Frauen haben kaum Anteil an digitaler Innovation, an technischen Revolutionen und damit an gesellschaftlicher Veränderung.“

Weibliche Start-ups bekommen kaum Risikokapital

Und auch nicht am wirtschaftlichen Gewinn. In Deutschland sinkt insgesamt zwar die Zahl der Start-ups,  doch das Interesse der Risikokapitalgeber steigt. Junge Firmen erhielten 2021 die Rekordsumme von fast 17,4 Milliarden Euro an Risikokapital  - mehr als dreimal so viel wie 2020. Das meiste Geld floss nach Berlin, dann nach Bayern. „Doch weibliche Start-ups bekommen viel seltener Risikokapital als männliche. Nur 5,2 Prozent der Frauen-Teams haben bereits eine Million Euro oder mehr erhalten – bei den Männer-Teams sind es dagegen 27,8 Prozent“, sagte Weigand.

Für Stephanie Bschorr, geschäftsführende Gesellschafterin einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Berlin, spielt das Bildungssystem eine entscheidende Rolle. „Wir müssen geschlechterstereotype Entscheidungsmuster verändern“, forderte die ehemalige Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen. Schulen müssten das Selbstbewusstsein von Mädchen insbesondere in Mathematik und den Naturwissenschaften stärken.

Sie schlägt vor, Programmiersprache wie andere Fremdsprachen als festen Bestandteil in die Lehrpläne aufzunehmen, um mehr Frauen für die IT-Branche und technologische Gründungen zu gewinnen. Bschorr gründete 2021 das bundesweite Investorinnen-Netzwerk encourage ventures mit. Dieses ist ein Zusammenschluss von 60 prominenten deutschen Managerinnen. Das Netzwerk unterstützt Gründerteams mit mindestens einer Frau, mit Kapital, aber auch mit Know-how und Kontakten.

„Erfahrungsgemäß werden in Pitches die Frauen anders behandelt und ihnen werden andere Fragen gestellt als den Männern“, sagte Bschorr. Dies müsse sich ändern. Encourage ventures wolle möglichst viele Netzwerke stricken und Ungleichbehandlung immer wieder thematisieren.

Pitchen vor reinen Männerrunden

Unternehmerin Tanja Zirnstein sah sich bei der Finanzierungssuche auch vorwiegend Männern gegenüber. Sie kennt die Vorurteile, dass Frauen irgendwann ja doch zur Familiengründung übergehen und sich das mit einem eigenen Unternehmen nicht vereinbaren lasse. Als sie zwei Monate nach der Geburt ihres Sohnes in ihr Unternehmen zurückkehrte, bekam sie aus ihrem Umfeld viel Kritik dafür.

„Ich war überrascht, dass sich die gesellschaftlichen Stereotype und Erwartungen noch so stark halten.“ Sie sehe sich durchaus als Rolemodel für andere Gründerinnen. So ist Zirstein aktiv beim Gründerzentrum der Universität Köln, um anderen Mut zu machen. Dort hat auch ihre eigene Gründungsgeschichte begonnen und sie hätte sich damals gewünscht, dass sie nicht nur von männlichen Start-ups umgeben gewesen wäre.

Barbara Fuchs, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, hat zahlreiche Einblicke in Handwerksbetriebe. „Die ,Meisterfrauen´ führen oft den gesamten Betrieb mit Buchhaltung und so weiter, sie werden aber ,nur´ als Ehefrau des Chefs gesehen.“ Frauen müssten in Führungspositionen kommen, um grundsätzlich etwas zu verändern. Die Grünen fordern deshalb im Landtag unter anderem die kontinuierliche Förderung des Gründerinnenzentrums „Guide“ in München und die Einrichtung einer weiteren Gründerinnen-Beratungsstelle in Nordbayern.

Umfeld erleichterte die Gründung

Unternehmerin Janine Jede, Geschäftsführerin der Halbig Handels GmbH in Georgensgmünd, gründete bereits während ihres Studiums. Sie habe in ihrem Umfeld viele Unternehmerinnen und Unternehmer gehabt, dies habe ihr den Schritt erleichtert. Was zeigt, wie wichtig Rollenvorbilder sind.

Als sie parallel zur Gründung der Halbig Handels GmbH schwanger wurde, habe sie viel Unterstützung von ihren Mitarbeitenden bekommen. „Ich kenne wenige Frauen, die so viele Aufgaben erfüllen, also ein Unternehmen führen, die Kinder betreuen und den Partner in seiner Karriere begleiten“, sagte Jede. Als Rolemodel sehe sie sich aber nicht, sie wolle einfach ihren Job so gut wie möglich machen.

Bettina Wenzel leitet seit vielen Jahren das Gründerinnenzentrum „Guide“. Sie hat beobachtet, dass Frauen anders an das Thema Gründung herangehen als Männer. „Sie bereiten sich sehr sorgfältig vor, zögern aber bei der konkreten Gründung.“ „Guide“ unterstütze rund 350 Frauen pro Jahr, biete Workshops und Seminare an. Oft kommen die Gründerinnen nach einer längeren Familienpause, „ihr Selbstbewusstsein ist oft gering, wir bieten ihnen einen geschützten Raum, um sie erstmal wieder aufzurichten.“

Einerseits würden Frauen von Banken als zuverlässige Geschäftspartnerinnen gesehen, andererseits berichteten Frauen, dass bei Bankgesprächen oft die Fragen an die männlichen Begleiter gestellt wurden und nicht an die Gründerin.

Stadträtin Natalie Keller stellte fest, dass im städtischen Gleichstellungsaktionsplan die Förderung von Gründerinnen festgeschrieben sei. Oft seien jedoch andere Themen in der Stadtverwaltung präsenter (Gewalt an Frauen u.a.). Die Ergebnisse eines ersten Runden Tisches zum Thema Gründerinnen müssten jetzt von der Stadtverwaltung weiterverfolgt werden.

Pop up- Gründerinnenzentrum im Juni

MdL Verena Osgyan fasste die Diskussion zusammen: „Die Aufgaben, die es zu lösen gilt, sind sehr vielfältig. Wir können es uns aber keinesfalls leisten, weibliche Gründungsideen zu verlieren, weil die Hürden für Frauen höher sind als für Männer.“ Osgyan kündigte an, dass sie zusammen mit Sabine Weigand, Barbara Fuchs und Natalie Keller ein Pop up-Gründerinnenzentrum nach Nürnberg bringen will. Es wird eine ganzer Tag sein voller Workshops, Vorträge, Diskussionen und Austausch für Gründerinnen. Nähere Infos folgen!

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