Denkmalschutztour Tag 7 - Das Nürnberger Volksbad

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08. Aug. 2019 –

Im Rahmen ihrer Denkmalschutztour besuchte Dr. Sabine Weigand, Sprecherin für Denkmalschutz in der Grünen Landtagsfraktion, auf Einladung des Nürnberger Ortsverbands Gostenhof das Volksbad am Plärrer. Begleitet wurde sie von Paul Müller vom Förderverein Nürnberger Volksbad e.V. und Joachim Lächele, Leiter der Projektgruppe Volksbad bei der Stadt Nürnberg.

Die Stadt Nürnberg hat sich mit einer großen, parteiübergreifenden Mehrheit im Stadtrat dazu entschlossen, das Jugendstilbad zu sanieren und wieder in Betrieb zu nehmen. Das Volksbad ist mit über 10.000 qm Nutzfläche das größte Jugendstilbad in Deutschland und wurde 1914 kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs in Betrieb genommen. Aufgrund der damaligen prekären, engen Wohnverhältnisse der Arbeitersiedlungen mit desaströsen sanitären Verhältnissen machte eine öffentliche Badeanstalt zur Notwendigkeit. Daher wurden neben drei Schwimmhallen auch 66 Wannenbäder, 14 Brausebäder und ein Hundebad (mit seperaten Eingang!) vorgesehen.

Das Gebäude wurde, der damaligen Zeit entsprechend, hauptsächlich aus Beton erbaut, der auch nach heutigen Maßstäben qualitativ hervorragend ist. Zum Ende des zweiten Weltkriegs erlitt das Gebäude einen Bombentreffer in einer der drei Schwimmhallen. Diese konnte aber, wenn auch mit geringerer Ornamentik, wieder aufgebaut werden. Für den Denkmalschutz besonders interessant sind die Außenfassade, die Eingangshalle und die beiden im Originalzustand verbliebenen Schwimmhallen.

Derzeit laufen die Ausschreibungen für eine komplette Planung der Sanierung. Dabei müssen Denkmalschutz, Schallschutz und Brandschutz unter einen Hut gebracht werden und ein Nutzungskonzept erstellt werden. Auf keinen Fall soll das Bad komplett privatisiert werden, sind sich Müller und Lächele einig. Die Planungsgruppe der Stadt arbeitet an der Erstellung eines Mischkonzepts. Denkbar wären beispielsweise der Betrieb eines Aquakindergartens, eines Wellness- und Saunabereichs, Gastronomie oder eine Vermietung von Bereichen an Ärzte oder Physiotherapie. Zentral ist aber der Betrieb als Sport- und Schulschwimmbad. Ungelöst ist die Frage, wie sich der Denkmalschutz zum Einbau eines dringend erforderlichen Aufzugs im Eingangsbereich stellen wird. Barrierefreiheit ist in unserer älter werdenden Gesellschaft von hoher Bedeutung für die Akzeptanz des Bades.

In der Stadt Nürnberg erwartet man sich Zuschüsse aus dem Bereich der Städtebauförderung. Besonders gefreut haben sich die Planer über die Zusage des Ministerpräsidenten, zusätzlich 18 Mio Euro in die Sanierung stecken zu wollen, wobei noch unklar ist, in welcher Form dieser Zuschuss fließen wird.

Sabine Weigand begrüßte die Maßnahmen der Stadt und die Weitsicht der Planungsgruppe. Sie sicherte ihre Unterstützung zu, wann und wo immer das nötig ist. Aufgrund ihrer eigenen emotionalen Bindung zum Volksbad, wo sie als Schülerin selbst das sichere Schwimmen gelernt hat, sei ihr das natürlich ein Bedürfnis.

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  • Die Jugendstilfassade des Eingangsbereichs muss in dieser Form erhalten bleiben.
  • Sabine Weigand lässt sich von Projektleiter Joachim Lächele die Details erklären.
  • Tests ergaben, dass sich unter diversen Farbschichten die Jugendstilbemalung der Wände wieder freilegen lässt.
  • Eine der drei beeindruckenden Schwimmhallen, die ganz stark an römische Badekultur erinnern.

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23. Okt, 13:00 Uhr, München

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