• Dr. Christoph Steinmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erläutert MdL Dr. Sabine Weigand und ihrem Landtagskollegen Jürgen Mistol die Historie der Wallanlage.
  • Erbaut um 1000 vor Christus ist die stattliche Schutzanlage rund 220 Meter lang und bis zu zwölf Meter hoch.

Denkmalschutztour 2022 - Kallmünz

Starke Allianz aus Denkmal- und Naturschützern

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09. Aug. 2022 –

Wahrlich beeindruckend ist die keltische Wallanlage auf dem Schlossberg oberhalb von Kallmünz. Erbaut um 1000 vor Christus ist die stattliche Schutzanlage rund 220 Meter lang und bis zu zwölf Meter hoch. Wie andernorts auch – etwa in Kelheim – ist das Bodendenkmal durch den steigenden Freizeitdruck gefährdet. Doch in Kallmünz präsentierte sich Sabine Weigand und ihrem Landtagskollegen Jürgen Mistol eine starke Allianz aus Denkmal- und Naturschützern, die sich für den Wall einsetzt.

Der innere Wall auf dem Schlossberg  gilt als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Region. Bereits zwischen 1600 und 1300 vor Christus wurde der äußere Wall erbaut, er umgrenzt ein 50 Hektar großes Areal, ist rund 1050 Meter lang sowie bis zu 3,30 Meter hoch und verläuft in Ost-West-Richtung über den Hirmesberg. Vermutlich sei dieser Wall als Umgrenzung von Weideflächen für Viehherden genutzt worden, erklärte Dr. Christoph Steinmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD).

Früher klimatischer Wandel

Der innere Wall hingegen habe klar eine Verteidigungsfunktion für die Menschen gehabt, die auf dem Schlossberg lebten. „In dieser Gegend haben schon früh Menschen gesiedelt, es gibt Funde aus der Zeit der Jäger und Sammler. Hier oben auf dem Schlossberg gab es erste Besiedlungen um 1300 vor Christus.“ Ein Grund seien klimatische Veränderungen gewesen, die die sandigen, mit Kalkstein durchsetzen Böden in der Oberpfalz für die Menschen attraktiv machten.

Die Oberpfalz sei ein reiches Pflaster gewesen – zwischen 2000 und 1000 vor Christus wurden viele Gräber mit kostbaren Beigaben aus Bronze ausgestattet. Die Menschen haben die Bronzen eingekauft oder eingetauscht. Hinter dem inneren Wall finden sich auch Reste von festen Häusern aus Lehm und Holz. „Im fünften Jahrhundert vor Christus gab es eine wichtige Besiedlungsphase und der innere Wall wurde noch einmal verstärkt und erhöht“, erläuterte Steinmann. Zudem habe in der Bronzezeit das Repräsentationsdenken begonnen und Verteidigungsanlagen seien zunehmend geschmückt worden. Besetzt mit Kalksteinen, sei die „innere Schanze“ in Kallmünz nun ein helles, gleißendes Bauwerk gewesen.

Beeindruckend ist das Bodendenkmal heute noch wegen seiner imposanten Höhe und Breite. Diese sind erst seit 2016 so deutlich zu sehen. Damals holzte der Bergverein Kallmünz den Wald auf dem Wall ab, da die Gefahr bestand, dass der Wind Bäume entwurzelt und dies zu einer zunehmenden Erosion führt. Vor vier Jahren wurde der Bergverein Kallmünz erneut aktiv, um mit vielen Helfern ein Loch im Wall zu schließen. „Der Einsatz des Bergvereins Kallmünz ist vorbildlich“, lobte Christoph Steinmann. Seit der Wall frei in der Landschaft steht, wird er von Ziegen beweidet – auch dies ist eine Idee des Vereins.

Vorbildliches Engagement

„Wir brauchen solch vorbildliches Engagement vor Ort dringend“, betonten auch Sabine Weigand und Jürgen Mistol. Der Bergverein Kallmünz setzt sich aktuell dafür ein, dass Mountainbiker den Wall nicht mehr als Downhillstrecke missbrauchen. Flatterbänder sollen sie davon abhalten, Aufklärung über die Gefahren für das Bodendenkmal auf der Homepage des Vereins ebenfalls.

„Die Furchen im Wall werden immer tiefer“, beschrieb Dr. Thomas Feuerer von der Unteren Denkmalschutzbehörde des zuständigen Landratsamts die Folgen für den Wall. Zusammen wollen der Bergverein Kallmünz, die Untere Denkmalschutzbehörde und das Landesamt über weitere Schutzmaßnahmen nachdenken.

„Wir müssen über die Bedeutung historisch herausragender Bodendenkmäler auch besser informieren. Dies kann dazu beitragen, dass die Menschen rücksichtsvoller mit ihnen umgehen“, sagte Sabine Weigand. In Kallmünz weisen Infotafeln auf die Geschichte des Walls hin. Andernorts fehlten jedoch Hinweise auf Bodendenkmälern. Beispielsweise gibt es auf dem Dreifaltigkeitsberg oberhalb von Regensburg, einer weiteren Station auf der Denkmalschutztour, keine Informationen über die frühere Burg Landeskron.

 

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