Denkmalschutztour 2022 - Bad Kissingen

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26. Jul. 2022 –

Aufgrund ihrer Zuständigkeit für die bayerischen UNESCO-Welterbe-Standorte besuchte Sabine Weigand, Sprecherin für Denkmalschutz in der Grünen Landtagsfrak in Begleitung von Staatssekretärin Manuela Rottmann Bad Kissingen, das im letzten Jahr zusammen mit zehn anderen Kurorten aus sieben Ländern unter der Überschrift „Great Spas of Europe“ in die Welterbeliste aufgenommen wurden.

Bei der Begrüßung schnitt Oberbürgermeister Dirk Vogel bereits die speziellen Herausforderungen an. Einerseits ist das enorme Renommée des Staatsbads, geadelt durch die Auszeichnung der UNESCO, weswegen die Gäste auch gepflegte Anlagen und ein hochwertiges Kulturangebot erwarten. Andererseits gibt es aber auch Probleme mit Leerstand, insbesondere in der mittelalterlich geprägten Altstadt. „Gelebte Geschichte“, so der OB, sei hier das Paradigma für Entwicklung. Kulturreferent Peter Weidisch ergänzte, dass Innovation schon immer ein Motor für Bad Kissingen gewesen sei, einfach um an der Spitze zu bleiben.

Im Anschluss führten Weidisch und Anna Maria Boll (UNESCO-Büro) in Begleitung von Kurdirektorin Sylvie Thormann durch die beeindruckenden Anlagen des Kurviertels, das rund um die Thermalquellen entstand. Rund um den weltweit ersten Kurgarten (1738) entwickelte sich über Jahrzehnte ein beeindruckendes Ensemble an repräsentativen Gebäuden mit Sälen, Wandel- und Brunnenhallen, Badebereichen, Verbindungsgängen und Gärten im Stil der jeweiligen Epochen. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege läuft derzeit ein Kommunales Denkmalschutzkonzept (KDK).

Im Bereich der Kurstadt wurde die Funktion Wohnen auf 25% der Fläche beschränkt, um den Kurcharakter zu erhalten. Verdichtung ist in diesem Bereich eher unerwünscht, da viel Grün und eine gewisse Luftigkeit stadtbildprägend für Kurorte sind. Wo doch gebaut wird, wie z.B. gegenüber der Maxquelle, wurde die Durchführung eines Fassadenwettbewerbs gefordert, um eine optimale Anpassung an das Stadtbild zu erreichen.

Im Umgang mit dem repräsentativen Bahnhof (erbaut 1870 am Endpunkt der Bahnlinie), der dafür ausgelegt war, Gäste aus Hochadel und Staatsführer zu empfangen, zeichnet sich eine Lösung ab. Die Bahn war zunächst der Meinung, diesen Bahnhof nicht mehr zu benötigen, doch in Zusammenarbeit mit Stadt, DB und Investoren zeichnet sich eine Lösung ab, dort eine Mischnutzung zu etablieren, insbesondere für ein Neubaugebiet mit rund 120 Wohnungen.

Den Abschluss der Tour bildete ein Besuch der Unteren Saline im Norden der Stadt am Ende des Kurparks entlang der Saale. Dort wurde seit karolingischer Zeit Salz gewonnen. Der heute bestehende dreiflügelige Komplex entstand bereits in vorindustrieller Zeit und wurde zur fabrikmäßigen Salzgewinnung genutzt, mit zahlreichen Werkstätten und Maschinenräumen. Das daneben befindliche Gradierwerk diente ursprünglich ebenfalls der Salzgewinnung, ist jetzt aber Bestandteil des Kurbetriebs, da die salzhaltige Luft im Umfeld gut für die Atemwege ist und die Reise in ein Seebad ersetzen kann. Die Stadt würde das Ensemble, das sich im Besitz der Immobilien Freistaat Bayern befindet, gerne aus dem Dornröschenschlaf holen. Auch hier erscheint eine Mischung unterschiedlicher Nutzungen eine zielführende Vorgehensweise zu sein. Im Gespräch sind Wohnen, Integration in den Kurbetrieb, UNESCO-Zentrum und Gastronomie.

Sabine Weigand bedankte sich für den tiefen informativen Einblick in die Herausforderungen eines Welterbeortes: „Diese Auszeichnung ist natürlich eine große Verpflichtung, die den Verantwortlichen in der Kommune viel abverlangt. Aber ich sehe hier ein ungeheueres Potenzial für die weitere Entwicklung. Ich werde ein Auge darauf haben, dass der Freistaat seine Staatsbäder nicht alleine lässt.“

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